Büchergedanken

27. Sep, 2016

Es gibt kaum ein Buch abseits der klassischen englischen Literatur, das meine Generation so sehr geprägt hat wie die Harry Potter-Reihe! Für mich war es ein herber Schlag, als ich zu meinem elften Geburtstag keine Eulenpost mit dem heißersehnten Brief aus der Zauberschule Hogwarts bekommen habe und weiterhin ein langweiliges Dasein unter den Muggeln führen musste! (Ich bin der festen Überzeugung mein Brief ist verloren gegangen, denn meine Fähigkeit Socken in der Waschmaschine komplett verschwinden zu lassen, sind legendär!)

Natürlich habe ich mich gefreut, als ich hörte, dass es noch ein achtes Buch in dieser Reihe geben wird und als ich es vor drei Tagen endlich in meinen Händen hielt, fing ich sofort mit dem Lesen an. Nach drei Stunden war ich dann auch tatsächlich schon fertig, denn was soll ich sagen, 336 Seiten sind einfach nicht sehr viel. Auch der Schreibstil verwirrte mich zusehends, denn es ist kein Roman im herkömmlichen Sinn, sondern vielmehr ein Drehbuch für ein Theaterstück. Dass das Buch wie ein Skript aufgebaut sein würde wusste ich vorher, kein Problem dachte ich, aber die Redeweise der Personen, insbesondere Harry, Ron und Hermine, wirkten etwas aufgesetzt, teilweise sehr gekünstelt und eher wie bei einer mittelmäßigen Fanfiction. Ich denke diese Tatsache lässt sich dadurch erklären, dass Joanne K. Rowling nicht allein an dem Drehbuch geschrieben hat und ihre Kollegen wohl einfach andere Vorstellungen von den Charakteren hatten.

Spoiler-Alarm! Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen!!!

Was die Handlung des Theaterstücks angeht war ich entsetzt. Wir beginnen da, wo wir im siebten Teil aufhörten, nämlich 19 Jahre nach der Schlacht und Harry, Hermine und Ron sind nicht mehr komplett im Fokus des Geschehens. Harrys Sohn Albus und Dracos Sohn Scorpius, die bald ziemlich beste Freunde sind, stellen die Zaubererwelt auf den Kopf.

Wir bekommen Einblicke in verschiedene Realitäten, dank dem Zeitumkehrer den die beiden benutzen, die zeigen wie es hätte nach der Schlacht um Hogwarts weiter gehen können. Unter anderem die Realität in der Voldemort sich ein kleines, aber feines Imperium aufgebaut hat. Was mich jedoch am meisten entrüstet hat war, dass der dunkle Lord doch tatsächlich eine Tochter hat und dieses winzig, kleine Detail wurde in keinem der vorangegangenen Bücher auch nur angedeutet und nun auf läppischen 336 Seiten abgearbeitet. Sorry, aber ich finde so ein Handlungsstrang hat weitaus mehr verdient, als nur ein kurzes Drehbuch! Zack, Bum, Aus und gut!

Mehr will ich gar nicht vorweg nehmen und darauf hinweisen, dass das meine persönliche Meinung ist! Ich habe es auf der einen Seite wirklich begrüßt, endlich wieder in die Welt der Zauberer und Hexen eintauchen zu können, aber J. K. Rowling hat einiges an Potenzial verschenkt, was mich wirklich traurig macht und ich wünsche mir mittlerweile ich hätte das Buch nicht gelesen und mir einfach selbst einen Reim darauf gemacht wie es wohl mit Harry, Ron und Hermine weiter gegangen wäre...

31. Jul, 2016

Letztes Jahr kurz vor meinem 22. Geburtstag stellte Norman sich die Frage, was wohl das richtige Geschenk für mich wäre. Da er weiß, wie sehr ich Bücher liebe und er eine gewisse Affinität für Technik aller Art hat, war es also nur logisch für ihn, mir einen E-Reader zu schenken. Er verglich alle möglichen Modelle die derzeit auf dem Markt waren miteinander und entschied sich letztendlich für den Tolino Vision 2. Als ich das Geschenk auspackte, hatte ich erstmal gemischte Gefühle. Versteht mich nicht falsch, ich habe mich gefreut, weil es mir gezeigt hat, dass er sich wirklich Gedanken gemacht hat.

Andererseits geht nichts über den Geruch eines ungelesenen Buches, das Rascheln von Papier, wenn man ein neues Kapitel aufschlägt und das besondere Gefühl, wenn man ein ausgelesenes Buch zu den anderen ins Regal stellt. Diese Möglichkeiten schienen mir nun erstmal alle genommen. Nach zwei Wochen des Grübelns und Abwägens, lud ich spontan ein paar Bücher herunter und übertrug sie auf den Tolino. Da merkte ich, wie praktisch es eigentlich ist, selbst im Dunkeln ohne Licht lesen zu können. Der Akku hielt eine gefühlte Ewigkeit und natürlich war es auch viel praktischer den Tolino mit zu nehmen, statt drei schwerer Bücher. Mein erstes Buch war Madame Bovary von Gustave Flaubert, dass sich gezogen hat wie Kaugummi. Normalerweise liebe ich die Literatur des 19. Jahrhunderts, besonders die britischen Autoren wie Austen, die Brontë-Schwestern, Thomas Hardy oder Charles Dickens, aber an die Franzosen komme ich einfach nicht heran. Natürlich ist es auch sehr praktisch, dass die E-Books meist etwas günstiger sind, als ihr papierens Pendant. Trotzdem werde ich mir noch handfeste Bücher für mein Regal zulegen, besonders bei Trilogien und Herzbüchern, die ich einfach für immer bei mir haben möchte. Die Gefahr, dass die digitalen Werke irgendwann verloren gehen könnten, ist mir dann doch einfach zu groß!

26. Jul, 2016

Let's talk about Sex! Und zwar täglich. Es begegnet uns unweigerlich, ob im Fernsehen (ich rede hier nicht von den schmutzigen Filmchen, nein nein! Ich rede von Amorelie und Eis.de), im Internet oder in der Literatur. Sex ist ein allgegenwärtiges und vor allem salonfähiges Thema geworden. Heutzutage gilt es als trés chic, sein Privatleben bis ins kleinste offen dar zulegen und wer keine monatliche Abobox von irgendeinem Sexshop…pardon...Shop für „Lovetoys“, besitzt gilt als prüde und zugeknöpft. Was ich davon halte, dass am helllichten Tage solche Werbefilme über den Bildschirm flimmern, muss ich wahrscheinlich nicht sagen! Trotz all der Empörung kann auch ich mich nicht davon freisprechen, Fifty Shades of Grey gelesen zu haben und mittlerweile kommt man an diesen pikanten Romanen auch gar nicht mehr vorbei!

 

Nur eine Modeerscheinung?

 

Nichts gegen Liebesszenen in der Literatur, allerdings wird dort teilweise ein völlig falsches Bild vermittelt! Kurzes Resümee: In einem bekannten Erotikroman geht es um ein naives Mädchen, dass sich ohne Umschweife dazu bereit erklärt, sich von einem psychisch gestörten Kontrollfreak züchtigen zu lassen. Auf diese Art und Weise erklärt, klingt das plötzlich nicht mehr so erstrebenswert, oder? Teilweise wird uns eingetrichtert, dass man einen ziemlich ausgefallenen Fetisch entwickeln muss um mithalten zu können.

 

Alles totaler Blödsinn.

 

Besonders der Dirty Talk in den Büchern beeindruckt mich immer wieder. Ich frage mich, was in dem Autoren vorgeht, wenn er die pikanten Zeilen verfasst. Sitzt er dann auch kichernd vor dem Laptop? Denkt er an selbsterlebte Szenen? Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Mann wirklich zu seiner Freundin sagt: „Ich werde dich kommen lassen, wie einen Frachtzug, Baby“ (Originalzitat Christian Grey) ohne dabei einen heftigen Lachanfall zu kriegen. (Außer er ist Lokführer bei der Bahn.) Wie ein Frachtzug? Ehrlich? Also an Anastasias Stelle wäre ich beleidigt gewesen mit so einem unästhetischen Objekt verglichen zu werden. Der allerschrecklichste Roman zu diesem Thema war bisher Royal Passion. Ich fand ihn so schrecklich, dass ich das Buch in ein Orimoto verwandelt habe. Inhaltlich wurde das Shades of Grey Thema aufgegriffen, nur dass es diesmal eben ein Prinz war und kein schwerreicher Egomane. Ein sehr ausgelutschtes Thema, dass nicht wirklich überzeugen kann.

 

Einen Erotikroman zu schreiben bedeutet, damit klar zu kommen, dass der Sex im Roman für autobiografisch gehalten wird, wobei ein Mord höchstens als gut recherchiert erachtet wird.

 

Wenn ich einen Roman kaufe, der über das Young Adult Genre hinaus geht, finde ich es völlig ok und authentisch, dass es auch Szenen gibt in denen auch das Thema Sex behandelt wird, andererseits finde ich es ausreichend die Szene anzuschneiden und den Rest einfach den Gedanken des Lesers zu überlassen, statt völlig unrealistische Szenarien zu kreieren, die uns falsche Ideale vermitteln und dafür sorgen, dass ständig der Kabelbinder im Baumarkt ausverkauft ist. Wenn ich selbst schreibe umschiffe ich dieses Thema am liebsten, es ist nicht leicht die richtigen Worte zu finden und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich mich dabei sonderlich wohl fühlen würde, soetwas zu veröffentlichen. Bleibe ich wohl doch lieber beim Schreiben von Märchen und Utopien...

 

14. Jun, 2016

Life will never be the same...

Der erste Teil der After Bücher hat mich von Anfang an gefesselt! Das Buch wurde mir von einer Freundin letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt und anfangs fehlte mir etwas die Motivation es zu lesen, weil ich dachte, es wäre ein böser Abklatsch à la Fifty Shades of Grey. Allerdings wurde ich nach ein paar Seiten eines Besseren belehrt! Die Autorin Anna Todd hat insgesamt 4 Bücher über Tessa und Hardin geschrieben und das moderne Märchen vom klugen, netten Mädchen und dem mysteriösen, ziemlich unverschämten Typen aufleben lassen. Modernes Märchen trifft es dabei sehr gut, denn es ist keine neue Geschichte, sondern eine die vielen Frauen sehr bekannt vorkommen dürfte! Das nette Mädchen, das sich für den hoffnungslosen Mann aufopfert, der sie doch nur immer wieder enttäuscht. Im Gegensatz zur Realität erleben die Figuren im Laufe der Geschichte jedoch eine enorme Entwicklung! Einige Leser werden das ständige auf und ab der Gefühle als nervenaufreibend empfinden (so ging es mir hin und wieder auch!), doch man kann die Bücher nicht mehr aus der Hand legen, sobald man einmal damit angefangen hat. Auch das Thema Erotik spielt in den Büchern eine Rolle, im Gegensatz zu Fifty Shades of Grey ist es jedoch bei Weitem nicht so explizit! Der Augenmerk liegt eher auf der zwischenmenschlichen Beziehung von Tessa und Hardin.
Am Ende des ersten Bandes gibt es einen ziemlich fiesen Cliffhanger, der begeisterte Leser wird sich sofort die Fortsetzung After truth im Anschluss wünschen!
 
11. Jun, 2016

Heute möchte ich euch mein absolutes Lieblingsbuch vorstellen! Stolz und Vorurteil von Jane Austen aus dem Jahr 1813 ist einer der schönsten Liebesromane und der mit Abstand bekannteste Roman dieser Autorin. Ich werde allerdings noch weitere Bücher von ihr vorstellen, da sich diese Bücher wunderschön und sehr flüssig lesen! Es handelt sich um einen Entwicklungsroman, der Fokus liegt dabei auf der psychischen und sozialen Entwicklung der Protagonisten und wird von diesen immer wieder reflektiert. Der Leser ist hautnah dabei, wenn Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy so einige Krisen erleben (an denen in den meisten Fällen der anfangs fragwürdige Charakter des Letzteren Schuld hat!) um daraus ihre Lehren zu ziehen und doch noch zueinander zu finden! Ich liebe es, wenn so ein schöner Roman ein Happy End hat!

Im Großen und Ganzen liegt der Augenmerk auf der Familie Bennet mit ihren fünf Töchtern, von denen drei im Laufe der Geschichte verheiratet werden. Doch bevor es ein gutes Ende geben kann, werden den Bennettöchtern durch so einige Missverständnisse und Intrigen, Steine in den Weg gelegt, dies führt auch zu dem Titel Stolz und Vorurteil.

Ich möchte inhaltlich nicht zu viel Voraus nehmen, der Roman ist wirklich komplex und trotz des auktorialen Erzählstils, der heutzutage in der Literatur nicht unbedingt üblich ist, habe ich das Buch in gerade mal zwei Tagen durchgelesen. Ich denke der Inhalt spricht vor allem Frauen an, da es weitestgehend eine Liebesgeschichte ist. Für die damaligen Verhältnisse zur Zeit der Veröffentlichung spielte das Heiratsthema auch eine gesellschaftliche, sehr nüchterne Rolle. Die soziale Absicherung der Frau hatte einen anderen Stellenwert, als wir es heute kennen, da es sich in Austens Roman bei dem Grundbesitz der Familie Bennet um ein Familienfideikommiss (ja das schreibt man wirklich so!) handelt. Das heißt, dass im Falle von Mr. Bennets Ableben nicht seine Frau oder gar seine Töchter den Grundbesitz erben können, sondern der nächste männliche Verwandte. Ziemlich ungerecht, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet, allerdings gab es einen (halbwegs) vernünftigen Grund! Auf diesem Weg wurde sicher gestellt, dass Haus und Hof weiterhin in Hand der Familie bleiben, da es zu dieser Zeit üblich war, dass nur die Männer ihren Namen weiter gaben und ihre Linie somit erhalten konnten. Für die Bennets bedeute dies natürlich, dass sie ihre heiratsfähigen Töchter möglichst schnell und möglichst wohlhabend verheiraten wollten! Ob es allen Töchtern gelingt einen passenden Ehemann zu finden, lasse ich euch selbst heraus finden!

Ich hoffe, dass ich euch ein wenig neugierig machen konnte und wünsche euch viel Spaß beim selber lesen!