26. Jul, 2016

Let's talk about Sex!

Let's talk about Sex! Und zwar täglich. Es begegnet uns unweigerlich, ob im Fernsehen (ich rede hier nicht von den schmutzigen Filmchen, nein nein! Ich rede von Amorelie und Eis.de), im Internet oder in der Literatur. Sex ist ein allgegenwärtiges und vor allem salonfähiges Thema geworden. Heutzutage gilt es als trés chic, sein Privatleben bis ins kleinste offen dar zulegen und wer keine monatliche Abobox von irgendeinem Sexshop…pardon...Shop für „Lovetoys“, besitzt gilt als prüde und zugeknöpft. Was ich davon halte, dass am helllichten Tage solche Werbefilme über den Bildschirm flimmern, muss ich wahrscheinlich nicht sagen! Trotz all der Empörung kann auch ich mich nicht davon freisprechen, Fifty Shades of Grey gelesen zu haben und mittlerweile kommt man an diesen pikanten Romanen auch gar nicht mehr vorbei!

 

Nur eine Modeerscheinung?

 

Nichts gegen Liebesszenen in der Literatur, allerdings wird dort teilweise ein völlig falsches Bild vermittelt! Kurzes Resümee: In einem bekannten Erotikroman geht es um ein naives Mädchen, dass sich ohne Umschweife dazu bereit erklärt, sich von einem psychisch gestörten Kontrollfreak züchtigen zu lassen. Auf diese Art und Weise erklärt, klingt das plötzlich nicht mehr so erstrebenswert, oder? Teilweise wird uns eingetrichtert, dass man einen ziemlich ausgefallenen Fetisch entwickeln muss um mithalten zu können.

 

Alles totaler Blödsinn.

 

Besonders der Dirty Talk in den Büchern beeindruckt mich immer wieder. Ich frage mich, was in dem Autoren vorgeht, wenn er die pikanten Zeilen verfasst. Sitzt er dann auch kichernd vor dem Laptop? Denkt er an selbsterlebte Szenen? Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Mann wirklich zu seiner Freundin sagt: „Ich werde dich kommen lassen, wie einen Frachtzug, Baby“ (Originalzitat Christian Grey) ohne dabei einen heftigen Lachanfall zu kriegen. (Außer er ist Lokführer bei der Bahn.) Wie ein Frachtzug? Ehrlich? Also an Anastasias Stelle wäre ich beleidigt gewesen mit so einem unästhetischen Objekt verglichen zu werden. Der allerschrecklichste Roman zu diesem Thema war bisher Royal Passion. Ich fand ihn so schrecklich, dass ich das Buch in ein Orimoto verwandelt habe. Inhaltlich wurde das Shades of Grey Thema aufgegriffen, nur dass es diesmal eben ein Prinz war und kein schwerreicher Egomane. Ein sehr ausgelutschtes Thema, dass nicht wirklich überzeugen kann.

 

Einen Erotikroman zu schreiben bedeutet, damit klar zu kommen, dass der Sex im Roman für autobiografisch gehalten wird, wobei ein Mord höchstens als gut recherchiert erachtet wird.

 

Wenn ich einen Roman kaufe, der über das Young Adult Genre hinaus geht, finde ich es völlig ok und authentisch, dass es auch Szenen gibt in denen auch das Thema Sex behandelt wird, andererseits finde ich es ausreichend die Szene anzuschneiden und den Rest einfach den Gedanken des Lesers zu überlassen, statt völlig unrealistische Szenarien zu kreieren, die uns falsche Ideale vermitteln und dafür sorgen, dass ständig der Kabelbinder im Baumarkt ausverkauft ist. Wenn ich selbst schreibe umschiffe ich dieses Thema am liebsten, es ist nicht leicht die richtigen Worte zu finden und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich mich dabei sonderlich wohl fühlen würde, soetwas zu veröffentlichen. Bleibe ich wohl doch lieber beim Schreiben von Märchen und Utopien...