5. Sep, 2016

Das Märchen vom verlorenen Ring

Es war einmal ein Mädchen, das war unsterblich verliebt in einen Mann aus dem Norden. So oder so ähnlich würde es klingen, wenn unsere Geschichte ein Märchen wäre. Und irgendwie ist sie das auch, denn rückblickend betrachtet ist es ein kleines Wunder, dass Norman und ich uns jetzt als Mann und Frau bezeichnen können. Mehr als einmal wurden uns Steine in den Weg gelegt, aber was zusammen gehört, das bleibt auch zusammen und so gingen wir nur noch stärker durch Intrigen und Widrigkeiten hervor. Heute kann ich sagen: Unsere Hochzeit war traumhaft! Oder besser gesagt unsere "Hochzeiten"!

Am Freitag begannen wir, nach einer Fahrt in der Hochzeitskutsche von Heringsdorf nach Ahlbeck, um 11 Uhr im Ahlbecker Standesamt mit dem bürokratischen Teil, der doch romantischer und emotionaler wurde als wir dachten. Unsere Freunde hatten sogar noch ein Baumstammsägen vorbereitet, da wir mit so einer Aktion gerechnet hatten, war im Kofferraum bereits die Kettensäge verstaut. Im Anschluss wurde mit der Familie, den Trauzeugen und engsten Freunden im Mellenthiner Wasserschloss gefeiert und wir ließen den Tag bei einem Spaziergang um das Schloss ausklingen! Für Norman und mich war das ein sehr besinnlicher Tag.

Der Samstag war da schon aufregender, meine Trauzeugin holte mich um 9.30 Uhr von zu Hause ab und wir fuhren nach Zinnowitz zu , wo wir mit dem schönsten Make-Up und der perfekten Frisur ausgestattet wurden. Nach über zwei Stunden Beautyprogramm half Isabell mir in mein Brautkleid und begleitete mich direkt zum Inselhof Vineta in Zempin. Norman hing zu dieser Zeit noch in Ahlbeck fest, was ich zum Glück nicht wusste, denn ich hatte wirklich etwas Angst, dass wir unseren Zeitplan nicht einhalten würden. Die Sorge war zum Glück unbegründet und kurz vor 14 Uhr traf der Bräutigam ein und wartete auf mich am Pavillon vorm Achterwasser. Es gibt keine Worte die beschreiben können wie man sich fühlt, wenn man dort sitzt, unter einem wunderschön geschmückten Pavillon, neben dem wunderbarsten Mann während das Achterwasser vor unseren Augen glitzert. Die Rede unserer Traurednerin war besonders für mich sehr emotional, da auch an eine ganz wichtige Person erinnert wurde, die seit zwei Jahren nicht mehr da ist, aber immer noch in unseren Herzen und mir besonders an diesem Tag sehr gefehlt hat. Trotzdem war mein Onkel an diesem besonderen Tag bei uns, da ich ein Bild und ein Gedicht als Memorialanhänger an meinem Brautstrauß befestigt hatte. Nachdem bei mir alle Dämme gebrochen waren und die Tränen nur so kullerten, war auch Norman sichtbar ergriffen und statt uns gegenseitig das selbstgeschriebene Ehegelübde vorzulesen, brauchte es gar nicht so viele Worte. Norman bedeutet schlicht und ergreifend "Der Mann aus dem Norden" und wer die Männer des Nordens kennt weiß, dass ein Blick manchmal mehr als tausend Worte sagt.

Nachdem nun fast alle irgendwie Tränen in den Augen hatte kam es zu einer doch eher ungeplanten Situation. Normalerweise hätten wir jetzt die Ringe getauscht, da gab es nur ein Problem...Mein Ring war nicht mehr da wo er sein sollte. Statt in Panik auszubrechen und das kleine Schmuckstück kriechend auf dem Boden überall zu suchen, lachten wir und ich steckte Norman dann wenigstens seinen Ring an den Finger. Nach der Zeremonie ging es zum Baumstammsägen und weiter zur Eröffnung des Kuchenbuffets. Als ich gerade das Mikro zur Hand nahm um das Anschneiden der Hochzeitstorte anzukündigen, tauchte auch mein Ring wieder auf, den ein sehr guter Freund im Rasen wiedergefunden hatte. Wie auch immer der dahin gekommen sein mag, es gab dann noch einen spontanen Ringtausch und weiter ging es mit der wunderschönen Torte. Die Hand hatte dann übrigens ich oben, allerdings waren wir uns beim spätabendlichen Ehegattenquiz einig, dass Norman zu Hause die Hosen an hat.

Die Zeit verging wie im Flug, unsere Fotografin Anett begleitete uns noch an den Zempiner Strand und machte ein paar Erinnerungsfotos, auf die wir uns schon sehr freuen und sie stellte auch die Fotobox, die von unseren Gästen begeistert angenommen wurde.Nach einer kurzen Pause zum Durchatmen eröffneten wir das Buffett zum Abendessen, hier eine sehr schöne Rede die ein Freund zum besten gab:

Liebes Brautpaar, liebe Familie und Freunde,

mit unserer Sprache, mit Lauten, Worten und Sätzen beschreiben wir unsere Welt. Die Sprache ist geradezu ein Abbild unseres Lebens. Nehmen wir hierfür ein Beispiel:Das Wort "einander" besteht aus zwei Teilen, "ein" und "ander", ist von seiner Wortart her ein Pronomen, ein Fürwort also. Verbindet man "einander" mit Präpositionen wie in, von, bei usw. entstehen daraus Adverbien, mit denen sie Verben, also Tätigkeitswörter, näher beschreiben. Ich sehe noch immer Fragen in Ihren Gesichtern. Ich werde daher unser Brautpaar Jasmin und Norman durch das Wort einander begleiten und mit ein paar Präpositionen verbinden: Ob Jasmin und Norman schon immer füreinander bestimmt waren, weiß ich nicht, jedenfalls verliebten sie sich ineinander und merkten, dass sie einander eine Zukunft wollen. Zunächst gingen sie miteinander, Händchen haltend aneinander und bald schon Arm in Arm liegend umeinander. Nacheinander verstanden sie sich untereinander noch mehr, voneinander lernten sie immer mehr, übereinander redeten sie nicht schlecht, weil sie sich voreinander Achtung erwiesen. Aufeinander folgend stellten sie sich Problemen und Sorgen entgegen, waren nicht gegeneinander eingestellt oder drohten gar auseinander zu gehen. Heute sind Norman und Jasmin hintereinander zur Trauung geschritten, haben nebeneinander gestanden und ihre Liebe und Treue zueinander vor uns ausgesprochen. Wir sind daher nunmehr alle beieinander, um dem Brautpaar gegenüber einander zu bezeugen, dass sie ohneeinander nicht sein wollen. Sie sehen also, was wir mithilfe unserer Sprache mit Lauten, Worten und Sätzen sagen können. Ich schließe nun meine kleine Deutschstunde und bitte sie alle, sich von ihren Plätzen zu erheben, um miteinander auf das Brautpaar, Jasmin und Norman, anzustoßen und Ihnen viel Glück für ihre gemeinsame Zukunft zu wünschen. -Sven Brümmel

Nach dem Buffet gab es noch ein Video mit Fotos von Norman und mir, von der Kindheit bis zur Gegenwart, das unsere Trauzeugin Isabell mit viel Liebe zusammengestellt hat! Ein Highlight jagte das Nächste und Schwupps standen wir auf der Tanzfläche um unseren Hochzeitswalzer zu tanzen. Was soll ich sagen, Norman hat mich so schön übers Parkett geführt, dass die Menschen drumherum für mich verschwanden.

Ich hätte nie erwartet, dass dieser Tag noch schöner wird, als wir es uns erträumt hatten. Auch hier noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen Tag für uns möglich gemacht haben! Wir werden es nie vergessen!