27. Sep, 2016

Das Frenemy-Problem

Soll ich es tun? Soll ich wirklich über so ein pikantes Thema schreiben? Wie werden dann meine Freunde reagieren und vor allem: Wer wird sich angesprochen fühlen? Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich mich an den Schreibtisch setze und aus dem Fenster schaue. Es ist einer dieser melancholischen Abende, an denen man bei einem Glas Wein, oder wie in meinem Fall bei einem Glas heißer Schokolade, fragt wo man eigentlich mal hin möchte und wie es mit den Menschen um mich herum weiter gehen wird. Klar, in Zukunft wird sich immer mal wieder etwas verändern und da bleiben auch Freunde auf der Strecke, da kam mir der Gedanke, dass ich das Wort "Freund" seit der Hochzeit ganz anders definiere. Die Mädchen die meinen Junggesellinnenabschied organisiert haben und auch auf der Hochzeit für die ein oder andere Überraschung sorgten sind Gold wert, keine Frage! Aber da gibt es auch ein paar Mädchen bei denen ich mir manchmal nicht sicher bin wie echt diese Freundschaft ist.

Nun kommen wir meinem eigentlichen Thema näher. Es gibt nämlich auch Freunde, die gar keine sind. Sogenannte Frenemys. Das Wort Frenemy setzt sich aus dem englischen Friend, zu deutsch Freund und dem englischen Enemy, zu deutsch Feind, zusammen. Also quasi ein Freundfeind. Diese Freundfeinde geben sich als Freunde aus, während sie hintenrum unserer Psyche enormen Schaden zufügen.

Gemäß einer Studie der Universität von Utah ist jeder zweite Bekannte in unserem Freundeskreis ein Frenemy. Ich las bereits vor einigen Monaten von dem Phänomen, dass viele Menschen nur vorgeben jemanden zu mögen und es in Wirklichkeit gar nicht tun, aber warum ist das so? Aufgrund gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Unterschiede entsteht eine Art Sozialneid. Hier mal ein Beispiel: Ich gehe los und kaufe mir eine Handtasche, die sich eine Freundin von mir auch gern gekauft hätte, sich diese aber nicht leisten kann. Statt sich für mich zu freuen überlegt sie nun wie sie es schaffen kann mich zu übertreffen oder die Errungenschaft schlecht zu reden. Ihr denkt euch wahrscheinlich genau wie ich: "So ein Kindergarten!". Ja, es ist absolut lächerlich und kindisch, aber nicht nur unter Frauen ein weit verbreitetes Phänomen.

Woran erkenne ich denn nun noch wer meine wahren Freunde sind?

In letzter Zeit passierte es wirklich häufig, dass Freunde an mich heran traten um mir anzuvertrauen, was andere "Freunde" so über mich sagten. Es schockiert mich immer noch wie gemein manche Menschen sein können und meine offenherzige Art schamlos für ihre Zwecke ausnutzten. Solange ich etwas für diese Menschen tat waren sie zufrieden und ruhig gestellt, aber sobald ich mich auf mich konzentrierte wurde es kompliziert. Ein Frenemy ist also ein wahrer Meister der Manipulation. Er oder sie will immer nur das Beste für sich selbst herausschlagen und dahigehend ließ auch ich mich hin und wieder manipulieren. Ich schraubte meine eigenen Vorstellungen immer mehr zurück und am Ende wusste ich gar nicht mehr was ich selbst wollte. Es herrschte ein richtiger Konkurrenzkampf, von dem ich lange Zeit nicht einmal wusste, dass er existiert! Egal ob es dabei um meinen Mann, meinen Job, meine Kleidung oder mein Auto ging, der Frenemy musste immer als Sieger aus diesem Duell hervor gehen! Mein persönlicher Freundfeind stand immer dann auf der Matte, wenn er sich einen persönlichen Vorteil davon versprach und benahm sich ansonsten ziemlich schlimm daneben. Ich erkenne diese Art Mensch besonders daran, dass sie es lieben, wenn es mir schlecht geht. Dann stehen die Freundfeinde sofort bereit und wollen alles ganz genau darüber wissen. Warum, Wieso, Weshalb?

Selbst der Körper reagiert auf diese Art von Menschen mit einem gewissen Verhalten, wir fühlen uns unwohl, gestresst und ein Druckgefühl entsteht. Ich fühle mich verpflichtet, weil mein Frenemy mich immer daran erinnert, was ich ihm alles schuldig wäre.

Wie wird man einen Frenemy wieder los?

Nunja, das ist eine schwierige Frage. Konsequent und vernünftig ist es natürlich, den Kontakt abzubrechen. Ich selbst tue mich mit dieser Methode leider sehr schwer, da ich meinen Freundfeinden viel zu persönliche Dinge anvertraut habe und irgendwie trauert man innerlich auch darüber, sich in einem Menschen so getäuscht zu haben. Meine oberste Regel ist jedenfalls, egal was kommen mag, ich werde es ihnen nicht gleich tun. Viel zu schnell lässt man sich aus Frust dazu hinreißen, schlecht über jemanden zu reden und das schürt das Feuer nur noch weiter und ein endloser Kreislauf entsteht. Wer meint er muss sich in einen Konkurrenzkampf begeben und anderen Leuten schaden, bitte sehr, viel Spaß dabei. Es lebt sich deutlich entspannter, wenn man Abstand von diesen Menschen hält und sich eine Schutzzone errichtet. Ich kann nur jedem raten, wenn ihr ein ungutes Gefühl bei jemandem habt oder Gerüchte hört, dass der derjenige schlecht von euch redet, dann tut es nicht gleich ab sondern behaltet es im Hinterkopf und geht vorsichtig mit diesen Menschen um, denn man weiß ja nie was diese mit persönlichen Informationen so anstellen!